• Pflegende Angehörige e.V. informiert über sehr bemerkenswerte Ergebnisse und Ableitungen aus dem aktuellen Pflege-Report 2020 der AOK.

    Bild*** PRESSEMITTEILUNG ***

    90 Mrd. Euro Wertschöpfung durch Sorgende und Pflegende Angehörige (SPA)
    Der aktuelle Pflege-Report 2020 der AOK weist die Belastungsverteilung der Pflegesituation in der Häuslichkeit aus. Über 7,2 Mrd. Sorge- und Pflegestunden wurden demnach 2019 von nahen Angehörigen geleistet – ihr finanzieller Wert steigt auf über 90 Mrd. Euro.
    Wöchentlich beträgt der zeitliche Aufwand in einem durchschnittlichen Pflegehaushalt 60,3 Stunden. Zu diesem Wert kommt eine Online-Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK. Hierfür wurden 1.106 Hauptpflegepersonen befragt, die aufgrund der vorgenommenen Gewichtung repräsentative Erkenntnisse der bundesdeutschen Pflegesituation Daheim ermöglichen. Der jetzt ermittelte Arbeitsaufwand liegt nach Aussagen der Studienautoren noch deutlich unter den Ergebnissen anderer Forscher aus den letzten Jahren (Prof. Dr. Rothgang, Dr. Hielscher).
    Mit über 70 % schultern SPA die Hauptlast der Versorgung. Durchschnittlich beträgt deren wöchentliche Arbeitszeit einen Umfang von 43,2 Stunden. Weitere Angehörige und Verwandte sowie Freunde und Nachbarn ergänzen das Pflegesetting mit 17,5 Stunden. Die Ambulanten Pflegedienste unterstützen mit 11,4 Stunden die Familien.

    Entlastungsleistungen seit 25 Jahren für alle gleich

    Wie schon seit vielen Jahren bekannt, unterscheidet sich die Belastungssituation sehr gravierend bei den unterschiedlichen Pflegegraden. So ist der Zeitaufwand für die komplexe Versorgung eines Pflegebedürftigen mit dem Pflegegrad 5 mit 97 Wochenstunden für die Hauptpflegeperson fast dreimal so hoch, wie für jemanden mit dem Pflegegrad 2 (34 Wochenstunden).
    Diese jüngsten Erkenntnisse machen erneut deutlich, warum Gesundheitsminister Spahn bei der Ausgestaltung des dringend benötigten Entlastungsbudgets die Forderung der SPA-Initiative nach einem „Gerechten Entlastungsbudget“ berücksichtigen muss.
    Es wird jetzt höchste Zeit, dass die Entlastungsleistungen den tatsächlichen Belastungssituationen bei den SPA angepasst werden.
    Diese Forderung wird durch die Aussage von Dr. Antje Schwinger, der Leiterin des Forschungsbereichs Pflege im WIdO der AOK untermauert:
    „Anstatt die Leistungen in erster Linie davon abhängig zu machen, ob sie ambulant oder stationär erbracht werden, sollte vielmehr die Bedarfssituation der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen gezielt in den Fokus genommen werden. Die Leistungen und Hilfen der Pflegeversicherung müssen noch stärker differenziert und gezielt den Haushalten gewährt werden, die einen besonders hohen Bedarf haben oder sich sogar in einer Krisensituation befinden.“
    Wertschätzung für komplexe Aufgaben

    Welch differenzierte Leistungen die verschiedenen Akteure in den Pflegehaushalten erbringen, zeigt die Grafik „Wer leistet was im Pflegehaushalt?“. In allen Tätigkeitsbereichen liegt der Anteil der Hauptpflegeperson bei über 60%. Als Aufwandsentschädigung erhalten die „Multitalente“ für die oft anspruchsvollen Aufgabenstellungen einen Lohn von 0,85 EUR pro geleistete Arbeitsstunde.
    Nach Auskunft des Pflege-Reports 2020 werden nur weniger als 50 % der Pflegegeldzahlungen als Aufwandsentschädigung weitergeleitet. Für 2019 würden somit bei den gesetzlich versicherten Pflegehaushalten für 6,77 Mrd. Arbeitsstunden nur 5,8 Mrd. Euro für die Wertschätzung der Sorge- und Pflegearbeit zum Einsatz kommen – rechnerisch ergibt sich damit ein Stundenlohn von 0,85 Euro je Stunde.
    90 Mrd. Euro Wertschöpfung durch SPA
    Mit Hilfe der Studienergebnisse zur wöchentlichen Arbeitsleistung für die individuellen 5 Pflegegrade kann die gesamte Wertschöpfung der SPA ermittelt werden. Hierzu werden die Stundenaufwendungen mit den individuellen Haushalten mit ambulanter Versorgung berücksichtigt. Für 2019 liegen diese Daten sowohl für die gesetzlichen wie privat versicherten Pflegebedürftigen vor (SPV = 3.211.719 und PPV = 196.960 GKV).
    Obwohl die qualitative Leistung vieler Hauptpflegepersonen gerade in den höheren Pflegegraden auch aufgrund ihrer langjährigen Erfahrungskompetenz deutlich über dem Pflegehelferniveau anzusiedeln ist, basiert die Berechnung der Wertschöpfung auf den derzeitigen Mindestlohnniveau für Pflegehilfskräfte von 12,50 Euro (West).

    Bei insgesamt 7,23 Mrd. Arbeitsstunden leisten die Hauptpflegepersonen eine Wertschöpfung von 90,7 Mrd. Euro. Honoriert wurden im vergangenen Jahr mit 5,8 Mrd. Euro hiervon 6,3 %.
    Konsequenzen aus der Dimension der enormen Wertschöpfung
    Auch wenn die aktuellen Diskussionen um z.B. Lohnersatzleistungen für SPA oder das von Prof. Dr. Rothgang und der Initiative Pro-Pflegereform entwickelte „Pflegegeld 2.0.-Konzept“ sich um eine bessere und aufwandsorientierte Entlohnung bemühen, kann eine monetäre Ausschüttung der jetzt ermittelten Wertschöpfung nicht das Ziel sein. Im vergangenen Jahr wurden 40,69 Mrd. Euro als Leistungen der Sozialen Pflegeversicherung zur Verfügung gestellt, zusätzliche 90,7 Mrd. Euro würden das System sprengen.
    Warum sich die Gesellschaft und die Politik aber der Bedeutung der Wertschöpfung unbedingt bewusst werden muss, erklärt Kornelia Schmid vom Verein „Pflegende Angehörige e.V.“:
    „Als Vorsitzende des Vereins Pflegende Angehörige e.V. und Administratorin der großen Facebook-Selbsthilfegruppe „Pflegende Angehörige“ (10.300 Mitglieder) möchte ich betonen, dass es uns hier nicht darum geht, dass wir jetzt 90 Mrd. Euro haben wollen. Doch aus vielen Erfahrungswerten aus der bundesweiten häuslichen Pflegepraxis fordere ich, dass im Wissen um obige Wertschöpfung den Menschen gegenüber in einer entsprechenden Weise jegliche Wertschätzung entgegengebracht wird, die sie verdienen.
    Die Sorgenden und Pflegenden Angehörigen sind für das bundesdeutsche Pflegesystem eine System-relevanteste und unverzichtbare Säule überhaupt. Ohne sie würde 70 % der Pflege in Deutschland nicht stattfinden.
    Sie dürfen weder von Armut bedroht werden noch dürfen ihre körperlichen und psychischen Kräfte und ihre Gesundheit durch die Pflege kaputt gehen. Dafür treten wir ein.“
    Bei Rückfragen oder Interviewwünschen wenden Sie sich bitte an presse@pflegende-angehoerige-ev.de
    In diesem Sinne bedanken wir uns nochmals für Ihre Unterstützung und freuen uns auf ein aktives neues Vereinsjahr.
    Mit freundlichen Grüßen
    Kornelia Schmid Susanne

    Weiterführende Informationen:
    Download des AOK Pflege-Reports 2020:
    https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-662-61362-7
    Seite der SPA-Initiative zum Gerechten Entlastungsbudget:
    https://sorgende-angehoerige.de/gerechte-entlastung/
    Zusammenfassung der Informationen zum „Pflegegel. 2.0.:
    https://pflege-dschungel.de/sockel-spitze-tausch/
    Informationen zur Pro-Pflegereform Initiative:
    https://www.pro-pflegereform.de/neustartpflege/

    Verantwortlicher für diese Pressemitteilung:

    Wertschöpfung durch Sorgende und Pflegende Angehörige (SPA)
    Frau pflegende Angehörige e.V. Kornelia Schmid
    Wendelinweg 6
    92224 Amberg
    Deutschland

    fon ..: 09621 / 784206
    web ..: http://www.pflegende-angehoerige-ev.de
    email : info@pflegende-angehoerige-ev.de

    Pressekontakt:

    Wertschöpfung durch Sorgende und Pflegende Angehörige (SPA)
    Frau pflegende Angehörige e.V. Kornelia Schmid
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    Wertschöpfung durch Sorgende und Pflegende Angehörige (SPA)

    auf Presseverteiler publiziert am 12. September 2020 in der Rubrik Presse - News
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