• Ein sehr persönlicher Rückblick von Dieter Topp …

    BildIn Russland zählt man lediglich eine Hand voll Masterskaja Theater. Diese Form, hierzulande weitgehend unbekannt, findet in Russland seine Berechtigung, wenn man das Ausbildungssystem für alle möglichen Arten von Darstellern und Regisseuren beleuchtet. An den Universitäten geben die Professoren ihr Wissen und Können an die Studenten weiter und prägen diese in ihrem Stil von Ausdruck und Wiedergabe. Einige derer setzen Generationen von Theaterschaffenden ihr Markenzeichen auf und ihr Name steht nicht nur für die Richtung, sondern speziell für entsprechendes Renommee.

    In St. Petersburger existiert ebenfalls ein bekanntes Masterskaja-Theater, ein professionelles, dramatisches Theater, das 2010 von der Schauspiel- und Regieklasse von Professor Grigory Kozlov an der Staatlichen Theaterakademie St. Petersburg gegründet wurde. Seit 1995 lehrt Kozlov an der Akademie. Die Absolventen seiner Klasse zeichnen sich durch Professionalität, seltene szenische Ausbildung und die Einhaltung der ästhetischen und ethischen Prinzipien der Petersburger Theaterschule von G. A. Tovstonogov, A. I. Katsman und Z. Y. Korogodsky aus. Alle Schauspieler des Theaters sind Absolventen der Klasse von Professor Kozlov. Sie bilden nicht nur einen Zirkel von Klassenkameraden, sondern gehören einer einzigen Theaterschule an.

    Im Dezember fand das Festival dieses Theaters zum dritten Mal statt und wies nach den letzten beiden Erprobungsjahren eine neue, eigene Richtung in Sachen „School-Studio-Workshop“ auf. Im SSWFest 2019 lag der Fokus zumeist auf der Begegnung junger Darsteller der Kozlov-Schule mit jungen Regisseuren, die sich mit ihren neuen Ideen gegenseitig ausprobieren konnten. Olga Nikifora, verantwortlich für die Auswahl des Festivalprogramms, hatte sie aus Aserbaidschan, Japan, Litauen, Republik Moldau, Polen und Ungarn geladen, um gemeinsam neue, internationale Strukturen auf der Bühne auszuprobieren, denn Masterskaja Theater beinhaltet mehr als ein Zirkel um den „Meister“ des Hauses.

    „Wir haben aus den Festivalanfängen neue Erkenntnisse gewonnen und sind zu dem Schluss gekommen, dass es sowohl für unsere Theateridee als auch für das mit uns vertraute Publikum effektiver ist, Resultate aus Workshops im Fest zu präsentieren und das Geld in junge Regisseure zu investieren, die sich und uns voranbringen. Teure Shows mit zahlreichen Mitwirkenden, deren Anreise und Unterkunft, verschlingen eine Menge Geld, das wir besser in unsere Schauspieler investieren“, so Grigory Kozlov zum neuen Festivalsystem. So wurde in diesem Jahr eine Idee in die Tat umgesetzt, die perfekt in das System von „School-Studio-Workshop“ passt, das SSWFest schien in dieser Ausgabe seine Bestimmung gefunden zu haben, die Darsteller und Publikum goutierten. Aus diesen Ergebnissen wird dann bald ein Gewinner gekürt, der in der nächsten Saison für sein Stück verpflichtet wird, um aus dem Workshop eine vollständige Produktion am Masterskaja zu bewerkstelligen.

    Zwei Regisseure, denen das Auditorium die besten Chancen ausrechnete, seien stellvertretend näher beschrieben.
    „Eine weitere Überraschung des Festivals: die interessanteste Skizze des litauischen Regisseurs Tadas Montrimas „No Trespassing“ nach dem Stück von Gintaras Grajauskas. Fast anderthalb Stunden erfinderisch, ausdrucksstark, mit Humor und dramatischen Tiefen. Alle Jungs sind wundervoll. Besonderes Lob an den exzellenten Künstler Maxim Blinov,“ schwärmte Irakli Khintba, Direktor des F.A. Iskander State Russian Drama Theatre aus Suchum (Abchasien).
    Tadas Montrimas, der in Russland studierte und in den vergangenen Jahren eine beachtliche Anzahl von Stücken in Ulan-Ude der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Burjatien im südöstlichen Sibirien erfolgreich abgeliefert hatte, erzeugte neuerlich Interesse sowohl in Russland als auch in seinem Heimatland. Er gehört zu einer Gruppe junger aufstrebender Regisseure, die von Litauen aus Ost und West zu Recht zu erobern suchen.

    Gintaras Grajauskas war in St. Petersburg dabei, als das Resultat des Workshops zu seinem Stück gefeiert wurde: „In meinem Leben ist gestern etwas passiert. Etwas sehr Wichtiges und Starkes. Auf einer Skala von Intensität – es scheint, dass ich mich in euch alle verliebt habe. Vielen Dank an alle. Es ist schwer zu beschreiben, wie cool das ist. Mein Kiefer fiel gerade herunter. Es passierte nicht einfach so, es ist ein Wunder, das stattgefunden hat.“
    „… Seine Arbeiten sind ironisch und präzise, sie überdenken unseren häuslichen Alltag und betonen bestimmte Klischees in unseren Handlungen und Gedanken. Seine Erfahrung als Musiker kann man in seinen Gedichten spüren, die jazzartig sind und unbeschwerte Einstellungen zeigen. Der Dichter kennt auch Elemente der Popkultur, obwohl diese nicht das Wichtigste in seiner Arbeit sind. Er ist eine seltene litauische poetische Stimme, die keinen Auftritt hat, Ihnen nichts aufdrängt, nichts vorschlägt oder erhebt, keine nationale Agenda hat und den Leser nicht moralisiert. Nach den Worten eines Polizisten aus einem seiner eigenen Gedichte lautet das Ziel von Gintaras Grajauskas‘ Gedichten, ,genau aufzuschreiben, was passiert ist'“, schrieb die Vilnius-Revue über den Schriftsteller.

    Dumitru Acris, der Moldau stämmige in Moskau lebende Regisseur fiel bereits vor einigen Jahren mit kraftvollen Shakespeare- und Tschechow-Interpretationen in Russland und Rumänien auf. Die theatralische Wucht von Tschechows „Krankenzimmer Nr. 6“ kam den koreanischen Gästen des letztjährigen Theaterfestivals im rumänischen Targoviste derart zu Pass, dass sie ihn nach Seoul holten. Sein „Lear“ aus dem russischen Kurgan paarte Armee, Krieg, Terror mit dem Verhältnis von Eltern und Kindern in Art einer grausamen Philosophie von Gewalt und Aggression eingebunden in die Welt von Shakespeare. Gesetz, Moral, Logik und Vernunft brachen unter Getöse zusammen, Gewalt, Chaos, Wahnsinn und Zerfall bildeten die neuen Systeme der Weltordnung. Acris komponierte apokalyptische Zeitengemälde aus wunderbaren Tableaus, die -beinahe schon am Ende des Entstehungsprozesses- wieder implodierten. Sein Lear schilderte ein aktuelles Menschheitsdrama: „Crime and Rammstein à la Dumitru Acris“.
    Sein Workshop in St. Petersburg wählte einen Stoff den international bekannten rumänischen Schriftsteller Matéi Visniec. Etwa 40 Stücke, die er in Rumänien schrieb, scheiterten an der Zensur und er ersuchte in Frankreich um politisches Asyl. Die äußerst starken Auszüge aus Matéi Visniecs „Die Geschichte des Kommunismus nacherzählt für Geisteskranke“ ließen als Ergebnis die ebenso starke Hoffnung auf eine Vollversion zu. Die neueste Produktion nach Dostojewskis „Schuld und Sühne“ im Tony-Bulandra-Theater Targoviste (Ro) weckte Erwartungen und könnte ein weiterer Acris-Renner auf den Bühnen werden.

    Der Versuch eines Verleumdungsskandals zweier polnischer Regisseure/Schreiber gegen das Masterskaja Theater und im Besonderen gegen seinen Direktor Mikhail Barsegov mit dem Zweck, persönliche, internationale Aufmerksamkeit auf Kosten eines russischen Theaterfestivals zu erlangen, schlug richtigerweise fehl. Den beiden möge ihr Ruf bei zukünftigen Unternehmungen überall und stets vorauseilen.

    Dass der Belgier Jan Fabre mit seinem „Night-Writer“ zeitgleich in St. Petersburg ein kleines Auditorium anzog, mag nicht verschwiegen sein. Er langweilte mit seinen Erinnerungen, die ein total überzogen agierender von sich selber maßlos überzeugter Darsteller vortrug. Eine Stunde, und danach zog er sich aus. Alles was blieb war ein halbwegs guter Körper. Dann erinnerte ich meinen letzten Besuch, als Fabre vor vielen Jahren das Dubrovnik Sommerfestival mit „Orgie der Toleranz“ heimsuchte und das Publikum aggressiv und ohne intellektuellen Anspruch einfach nur reizte und dabei gegen all die anderen protestierte, die sich -genau wie er- im Markt um den Konsum als Teil der zerstörerischen Gewalt der Globalisierungsmaschinerie einbrachten und an der allgemeinen Verdummungsstrategie mitverdienten. Aus Fabres „Kunst“ resultiert ein Schickimicki-Label, er kreierte eine Gelddruckmaschinerie.

    Meyerhold: Die Persönlichkeit des Regisseurs und Innovators des zwanzigsten Jahrhunderts, Vsevolod Emilyevich Meyerhold, der nicht in den üblichen Rahmen passte, und sein Leben, das tragischerweise in den Kerkern des NKWD endete, wurden zum Impetus für die Schaffung einer beeindruckenden Aufführung, einem Genre, das Regisseur Roman Gabrias als nicht fiktiv bezeichnete. Großartige Regie, Bühnenbild, Musik, visuelle Medien trafen den Besucher zutiefst. Am Ende ließ der Regisseur zu viel histrionische Emotionen zu, die der Gesamtkomposition ein wenig ihrer Größe stahl.

    „Domino“ aus dem Puppentheater von Ulan-Ude, Burjatien, dem Fernen Osten Russlands, stellte die Geschichte des Überlebens eines listigen Fuchses mit dem Spitznamen Domino in einer feindlichen Welt der Menschen vor. Unter der Regie von Yana Tumina begeisterte diese hochqualifizierte zweistündige Produktion aus tief verwurzelten Märchen, folkloristischem Tanz und althergebrachten bäuerlichen Ritualen das Publikum von Jung bis Alt. Action, Tempo und absolute Präzision der Choreografie faszinierten in einem „Irish Dance à la Buryatia“.

    Mit einem „Tartuffe“ und einem „Cyrano de Bergerac“ gönnte das Masterskaja Theater seinen Festivalbesuchern einige reizvolle Theaterstunden unter der Regie von Gregory Kozlov. Mein unvergesslicher Abschluss des Festivals bestand in der theatralischen und persönlichen Begegnung mit dem großen Star der Sowjettheaterzeit bis zum heutigen Tag. Alisa Freindlich spielte „Alisa“, ein Stück, das zu Ehren ihres 85. Geburtstags gegeben wurde. Ein erfrischender Abend beim St. Petersburg Aufenthalt zum SSWFest.

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    SSWFest 2019 – neues Festivalprinzip im Masterskaja Theater St. Petersburg

    auf Presseverteiler publiziert am 23. Dezember 2019 in der Rubrik Presse - News
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